Meine Zweifel und was ich von Karl Lagerfeld lernen kann

Aus der Literatur für kreatives Schreiben habe ich gelernt, eine Prämisse für meinen Thriller müsste formuliert werden. Auch von High Concepts ist die Rede. Na ja, wenn das so sein muss, formuliere ich sie und nenne diese mal.

Eine unbescholtene Bürgerin nimmt Rache
und verhindert dadurch den 3. Weltkrieg

Autsch, das ist mir dann doch zu dick aufgetragen!

Eine kleine Angestellte wird zum rachsüchtigen Bösewicht
und verhindert dadurch den Krieg der Supermächte

  Hm, das geht irgendwie in die gleiche Richtung, obgleich genau das der Inhalt von geplanten 550 – 650 Normseiten ist. Oder ist meine Geschichte zu klischeehaft und schon ausgelutscht ohne Ende? Möglicherweise JA und NEIN. Ich unterstelle, dass es sich in der Schreiberei genauso verhält, wie in der Musik. Alle Melodien und Rhythmen hat es schon irgendwann einmal gegeben. Das ist in Sachen Schriftstellerei sicherlich eben so. Schon Homers Ilias (8. oder 7. Jahrhundert v. Chr.) war ein Thriller – nichts anderes.

  In solchen Fällen, wo mich meine Zweifel quälen, erinnere ich mich gerne an Karl Lagerfeld. Der Kaiser, wie man ihn auch nennt. Er, Karl Lagerfeld, wird nicht müde in seinen Interviews darauf hinzuweisen, dass 90% seiner Zeichnungen und Entwürfe in den Papierkorb wandern. Die restlichen 10% sind es wert, weiterentwickelt zu werden. Das nenne ich mal Energie.

  Aber komme ich noch einmal zur Prämisse. Was ist der Leitfaden nahezu jedes Thrillers? Richtig, der Held rettet die Welt oder zumindest einen Teil davon. Das tut meine Protagonistin auch. Jedoch auf dem Weg dahin gibt es viele Hindernisse und Umleitungen. Erst einmal wird sie zur rachsüchtigen Furie. Das Temperament, das sie entwickelt ist eben das der Rache. Rochus pur! Die Ursache für ihr Verhalten ist im Verhältnis banal – es war der Besuch eines Gerichtsvollziehers. Okay, so manchem käme der Besuch eines Gerichtsvollziehers einem Blitzkrieg gleich, aber hier ist es der Beginn der Geschichte. Die Geschichte eines Rachefeldzuges gegen schlipstragende Nadelstreifen, die ihr das angetan haben – aber dann……….. (Ideen haben kein Copyright, daher geht es hier nicht weiter) Bei einem Thriller muss das Tempo immer rasant und erst recht konfliktbeladen sein. Auch Homer legte seinem Helden Odysseus Hindernisse ohne Ende in den Weg. Das macht die Geschichte fesseln, packend und spannend.

Während ich das schreibe, fällt mir eine Weisheit von Konfuzius ein „Der längste Weg sind unbekannte Abkürzungen“ (MUSS ICH MIR NOTIEREN UND WIRD IRGENDWIE IN DEN PLOT INTEGRIERT – so ist das mit Ideen –)

  Vielleicht kann ich dennoch etwas an der Prämisse feilen.
Wie war das mit Karl Lagerfeld?   90% in den Papierkorb?
Das sind ja rosige Aussichten.

  Bis zum nächsten Eintrag

  Euer Heinrich

VN:F [1.9.22_1171]
War der obige Artikel hilfreich ?
Rating: 3.7/5 (3 votes cast)
Meine Zweifel und was ich von Karl Lagerfeld lernen kann, 3.7 out of 5 based on 3 ratings

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.