Es ist (k)eine Schande reich und wohlhabend zu sein

Als neureich werden in der Regel erfolgreiche Jungunternehmer bezeichnet, die sich veranlasst sehen mit Ihrem finanziellen Erfolg bei jeder Gelegenheit zu protzen. Zugegeben, häufig sind sie auch an Arroganz kaum zu übertreffen. Glücklicherweise zeigen aber auch viele Beispiele, dass Erfolg und damit verbundener Wohlstand sehr wohl mit einem guten Image besetzt sein kann. Allerdings, von alleine kommt so etwas nicht.

Wer in einer Diskussion auf die Situation zu sprechen kommt, dass Erfolg eher Neid verursacht erhält schnell den Vergleich zur Antwort, dass in den Vereinigten Staaten Erfolg und damit verbundener Wohlstand, ja sogar Reichtum, hohes Ansehen genießt und nicht wie vermeintlich in Deutschland, Neider hervorruft. Ob der Neid, der hier unterstellt wird, wirklich so ausgeprägt ist wage ich zu bezweifeln. Häufig ist es nur das Ergebnis negativer Verhaltensweisen erfolgreicher Menschen. In den USA gehört es allerdings zum guten Ton, einen Teil seines erwirtschafteten Vermögen zu stiften und dem Gemeinwohl zu spenden. Eine Tatsache, die in den Augen der Öffentlichkeit für ein vorbildliches Image sorgt. Zwar zählen Spenden in Deutschland nach den USA immerhin zu den zweit höchsten weltweit, das allerdings sagt vorerst wenig aus und erst recht nichts über das Spendenverhalten von erfolgreichen (Jung-)Unternehmern und nicht einmal etwas über das Spendenverhalten der Altvorderen in der Unternehmer- und Managerzunft. Unbestritten gehört jedenfalls das Spendenverhalten vermögender und erfolgreicher Menschen in Deutschland nicht zu den anerkannt guten Eigenschaften, die dieser Gruppe anheftet. Genau davon ist diese Bevölkerungsgruppe in Deutschland nämlich noch weit entfernt (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel).

In Deutschland werden vom verfügbaren Einkommen ca. 0,4% für gemeinnützige Zwecke gespendet. In den USA sind es immerhin 2% und damit deutlich mehr. Der Fairness halber müssten wir allerdings die Kirchensteuer hinzuzählen (Kirchen finanzieren sich in den USA durch Spenden) dann kommen wir in Deutschland auf immerhin 0,9% im Vergleich – aber eben nicht mehr. Auch bei Spenden, die per Testament vererbt werden bleiben die Deutschen hinter den USA zurück. Während in den USA gut 11% an gemeinnützige Zwecke vererbt werden, sind es in Deutschland gerade mal 3%. Auch wenn die Quote in deutschen Landen geringer ausfällt, so sind es immerhin noch rund 5 Milliarden Euro, die per Testament gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden. 5 Milliarden klingt gut, ist aber auch abhängig von Besonderheiten wie z.B. das Spendenverhalten beim Elbehochwasser 2002 und der Tsunami-Katastrophe 2005. Vergleicht man allerdings die verschiedenen Zeiträume dann wuchs der Wohlstand der Bundesbürger gemessen am privaten Geldvermögen immerhin um 5% p.a. (stat. Bundesamt: Einkommenssteuerstatistiken 1995 bis 2005 und Bundesverband deutscher Stiftungen in Zahlen 2007). Die Zahlen sind nicht mehr die Jüngsten, aber im Verhältnis zum vorhandenen Vermögen gesehen, spenden die Deutschen demnach immer weniger.

Zusätzlich zu den Mitteln von Privatpersonen und privaten Stiftungen fließen auch Unternehmensgelder in den gemeinnützigen Sektor. Spenden, humanitäres Sponsoring und Stiftungsaktivtäten von deutschen Unternehmen belaufen sich auf ca. 2 Milliarden Euro. Das entspricht ca. 1,2% ihres Gewinns. Hier scheinen deutsche Unternehmen den damit verbundenen Imagegewinn und ihre soziale Verantwortung verstanden zu haben und schneiden ebenso gut ab wie die USA.

Schon der „alte Rockefeller“ hatte erkannt, dass sein Image durch kleine Spenden in ein besseres Licht gehoben werden kann. So hatte er stets einige Münzen in seiner Tasche die er bei jeder Gelegenheit verteilte (und das nicht nur als gutes Trinkgeld). Später wurde der Rockefellerkonzern Inbegriff der Philanthropie. Demgegenüber erlebe ich, dass es eher Menschen mit kleineren Einkommen sind, die den bettelnden Personen in unseren Einkaufsstraßen etwas in ihren, vor sich aufgestellten Becher werfen.

Zugegeben, das Spendenverhalten der verschiedenen sozialen Gruppen wird sicherlich nicht an dem Verhalten gegenüber Bettlern auf der Straße gemessen. Auffällig ist allerdings, dass sich in Deutschland die Großspender zurück halten. So liegt der Anteil des Einkommens, der gespendet wird, bei den Personen mit einem steuerpflichtigen Einkommen zwischen 100.000 und 500.000 Euro bei nur 0,6%. Der Durchschnitt aller Deutschen liegt, wie schon geschrieben, inkl. der Kirchensteuer bei 0,9%. Erst Einkommen über 500.000 Euro liegen mit 1,2% wieder über dem Durchschnitt. Auffällig ist allerdings, dass Geringverdiener immerhin gut 2% ihres Einkommens spenden (VORBILDLICH!). Ein Zeichen auch, dass Organisationen, Verbände und Vereine die um Spenden bitten einen besseren Ruf haben, als gelegentlich in Sensationspresse und anderen Medien dargestellt wird. Beliebt sind in Deutschland Fördermitglied- und Patenschaften von bis zu 5 Euro monatlich – so etwas tut nicht weh und unterstützt Organisationen die sich für Dinge einsetzen, mit denen der Spender sich identifizieren kann (z.B. Greenpeace, United Dolphins, Amnesty und Andere).

In den USA ist es sowohl für Reiche als auch sog. Superreiche eine Auszeichnung und auch Verpflichtung, beim Ranking der großzügigsten Förderer des Gemeinwohls dabei zu sein. So veröffentlicht das US-Magazin BusinessWeek jedes Jahr eine Liste der „most generous philanthropists“. An deren Spitze standen mehrmals Warren Buffet und Bill Gates mit gespendeten Milliardenbeträgen. Die öffentliche Wirkung eines derartigen Engagements zeigt Wirkung. Denn am Erfolg und Reichtum dieser „most generous philanthropists“ partizipiert eben auch das Gemeinwohl. Insofern ist es keine Schande wohlhabend zu sein. Denn wie heißt es so treffend? Reichtum verpflichtet!

Ihr
Heinrich Schreiber

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Über Heinrich Schreiber

Als inzwischen „Best Ager" ist die berufliche Vita von Heinrich Schreiber schon etwas umfangreicher. Derzeit engagiert er sich als sozialkritischer Blogger, Journalist, eBook- und Indieautor und schreibt gegenwärtig an seinem ersten, dreiteiligen Psychothriller. Seine jahrelangen Erfahrungen im Finanz- und Schuldnerbereich - insbesondere bei problembelasteten Kapitalgesellschaften - stellt er einem großen Kreis von Betroffenen zur Verfügung. Als leidenschaftlicher Hamburger fühlt er sich überall auf diesem Erdball wohl und bezeichnet sich als Weltbürger.

6 Gedanken zu “Es ist (k)eine Schande reich und wohlhabend zu sein

  1. VA:F [1.9.22_1171]
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    Sind wirklich interessante Zahlen, die ich in diesen Zusammenhang so nicht kannte.
    Hier werden ja die USA und Deutschland verglichen. Wäre auch mal interessant zu wissen, wie diese beiden Nationen im Vergleich mit anderen Ländern aussehen.

    Ich glaube, dass beide Nationen im Ländervergleich weit vorn liegen, oder gibt es doch noch eine Nation, die „spendenfreudiger“ ist?

    • VN:F [1.9.22_1171]
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      Ich habe mir einmal eine McKinsey-Analyse aus 2006 angesehen und gemäß den dortigen Angaben ist das deutsche Spendenaufkommen nicht das Zweithöchste nach den USA.

      Demnach beträgt das Spendenaufkommen gemessen am verfügbaren Einkommen in der…

      Schweiz = 1,2%
      Großbritannien = 1,1%
      Niederlande = 0,9%
      Belgien = 0,5%
      Italien = 0,5% (inkl. Kirchensteuer 0,6%)
      Deutschland = 0,4% (inkl. Kirchensteuer 0,9%)
      Schweden = 0,3% (inkl. Kirchensteuer 1,6%)
      Österreich = 0,3%
      Frankreich = 0,3%
      Finnland = 0,1% (inkl. Kirchensteuer 0,3%)

      Insofern befinden wir uns gerade mal im europäischen Mittelfeld

      Heinrich Schreiber

  2. VA:F [1.9.22_1171]
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    Hallo Heinrich!
    Ein tollen Artikel den Du da geschrieben hast und das Spendenverhalten von Deutschland und USA kannte ich bisher auch noch nicht.
    Mit dem „Wohlhabend“ sein und was man daraus macht ist auch eine interessante Geschichte, die ganz sicher für ausreichend Gesprächsstoff sorgt.

    Das was da aber immer am Anfang steht, ist dass: „WIE ist der jenige Wohlhaben geworden“? Von alleine ganz sicher nicht, (abgesehen von Lottogewinn und Erbschaft) denn vor dem Lohn steht meistens die Arbeit und das Durchhaltevermögen und was man dann daraus macht, dass muss dann jeder selber entscheiden.

    Für mich persönlich wäre es viel angemessener Wohlstand darin zu zeigen, dass man mehr Zeit hat für seine Familie und Freunde, anstatt einen mit Diamanten bestückten Mercedes zu fahren aber wie gesagt, dass ist die Freiheit jedes einzelnen der diesen Status erreicht hat.

    Ich freue mich auf weitere interessante Artikel

    Viele Grüße
    Hannes Heinemann

  3. VA:F [1.9.22_1171]
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    Es gibt ja viele Eigenschaften die die Amis unsympathisch machen. Hier zeigen sie sich jedoch mal von einer guten Seite. Empfehlenswert!

  4. VA:F [1.9.22_1171]
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    Ich glaube fest an das Law of Attraction. Geld muss fließen und wer gerne Geld giebt, wird dementsprechend auch später besser bezahlt, oder erhält bessere Aufträge.
    Ich zahle auch gerne meinen Dienstleistern Premiumpreise und verlange dafür auch Premiumpreise.

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