Alles über Schulden, Schuldnerberatung und Verbraucherinsolvenz (Teil 2)

Wer Schulden hat erhält diverse Schreiben von Inkassobüros und Anwälten. Die Bedeutung und Konsequenzen wollen wir hier, im Teil 2, durchleuchten

heinrich-bg-03

Der Ordner ist gefüllt mit unzähligen Mahnungen, Aufforderungen zur Zahlung ausstehender Forderungen und möglicherweise mit Mahn- und Vollstreckungsbescheiden. Eine Empfehlung, wie eine Ablage in einem Aktenordner erfolgen könnte, habe ich im vorigen Teil der Artikelserie beschrieben. Siehe hier.  Auf jeden Fall hat sich mit jedem Schreiben der Gläubiger, oder das von ihm eingesetzte Inkassobüro, etwas dabei gedacht. Häufig werden in diesen Schreiben Konsequenzen angedroht, die unterschiedliche aber gravierende Auswirkungen haben könnten.

 

Mahnungen, Erinnerungen und Schriftwechsel

So mancher stellt sich die Frage, warum erhalte ich gleich Post vom Inkassobüro, ich bin nicht einmal gemahnt bzw. erinnert worden. Hierzu ist es notwendig, sich einmal das Gesetz anzusehen. Die Grundlage, was ein Zahlungsverzug ist, steht im § 286 BGB.  In der Nummer 3 dieses Paragrafen heißt es nämlich:

Der Schuldner einer Entgeltforderung kommt spätestens in Verzug, wenn er nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung oder gleichwertigen Zahlungsaufstellung leistet;

Unabhängig davon kann natürlich ein noch kürzeres Zahlungsziel vereinbart sein. Ebenfalls kann die Fälligkeit einer Forderung durch eine Rechnung bestimmt werden. Auf dieser könnte vermerkt sein, dass der Rechnungsbetrag sofort fällig ist. Es können aber auch Zahlungsbedingungen vereinbart werden, dass die Fälligkeit erst ab einem bestimmten Datum eintritt. Ist jedenfalls nichts vereinbart, dann ist man nach 4 Wochen im Zahlungsverzug und der Gläubiger will jetzt sein Geld. Nach diesen vier Wochen könnte er auch gleich einen Mahnbescheid beantragen, der aber kostet Geld. Die Arbeit des Geldeintreibers hat hier nun die Zunft der Inkassounternehmen übernommen. Man könnte auch sagen, hier wird das Spiel „guter Gläubiger“ / „böser Gläubiger“ gespielt. Die Inkassobranche wirbt dann auch mit der Aussage, dass ihre Erfolgsquote bei 70% liegt, also die Quote der Zahlung nach dem ersten Schreiben des Inkassobüros.

Wer ein derartiges Schreiben vom Inkassobüro erhalten hat sollte klären, ob die Forderung auch rechtens ist. Hier haben sich in der Vergangenheit einige Inkassobüros nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Sie ließen sich von dubiosen Internetbetrügern einspannen oder mischten betrügerisch selber mit, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen berichtete

Auch ist darauf zu achten, ob eine Mahnung vom Stromanbieter vorliegt und somit die Abschaltung droht. Auch Mahnungen des Vermieters haben schnell unangenehme Konsequenzen. Der Mietvertrag kann bereits fristlos gekündigt werden, wenn mehr als eine Miete Rückstand besteht. Achtung, nicht ausgeglichene Nebenkosten zählen auch dazu.

Achtung, derzeit fällt mir auf, dass vermehrt von Ärzten seit geraumer Zeit das jeweilige Inkassobüro angewiesen wird zu prüfen, ob der Schuldner zum Zeitpunkt der Entstehung der Forderung, bereits eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hatte. Sofern dies zutrifft, erhält der Schuldner einen Brief mit folgendem Inhalt:

„………in der vorbezeichneten Sache stellte sich heraus, dass Sie bereis vor Entstehung dieser Forderung eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hatten. Daraus ist zu folgen, dass Sie sich eines Betruges zum Nachteil unseres Mandanten Schuldig gemacht haben könnten.

Sollten sie die Forderung nicht innerhalb von XX Tagen ausgeglichen haben, werden wir empfehlen, dass Strafanzeige wegen Betrug gegen Sie gestellt werden sollte.“

 

Kommt es dann wirklich zur Strafanzeige, reagieren die Gerichte häufig mit der Niederschlagung gegen Zahlung einer Strafe von 40 Tagessätzen. Bei einem H4-Empfänger sind das dann 10 Euro täglich – also 400 Euro. Die Forderung ist damit aber noch nicht erledigt. Dies ist eben nur eine Strafe und die wäre auch über eine Verbraucher-/Regelinsolvenz nicht in Form einer Restschuldbefreiung zu tilgen. Im eröffneten Insolvenzverfahren würde der Gläubiger jetzt sogar für die eigentliche Forderung „vorsätzlich begangene unerlaubte Handlung“ geltend machen und die sind bekannterweise von einer Restschuldbefreiung ausgeschlossen. Im ungünstigsten Fall muss man diese Strafe sogar absitzen, also 40 Tage hinter „schwedischen Gardinen“. Also immer prüfen, ob dieser Vorwurf auch zutrifft. Rechtlich liegt hier der § 263 StGB zugrunde (in einem gut sortierten Ordner ist idealerweise auch die Bestätigung der eidesstattlichen Versicherung abgeheftet). Sofern das Kind dann aber „in den Brunnen“ gefallen ist und es liegt dieser Strafbefehl vom Gericht vor, dann lässt sich die Justiz auch auf eine Ratenzahlung ein. Ansprechpartner ist dann die dort zuständige Geschäftsstelle bzw. der dortige Rechtspfleger. (Musterbriefe sind in meinem E-Book – Schulden selber regulieren – ABER RICHTIG – vorhanden)

Dubios muten manchmal folgende Briefe eines Inkassobüros an:

„Da es immer unser Anliegen ist, die persönliche Situation des einzelnen zu berücksichtigen, haben wir längere Zeit nichts mehr von uns hören lassen. Wir haben damit die Hoffnung verbunden, dass es Ihnen in der Zwischenzeit gelungen ist, Ihre finanzielle Situation zu verbessern.

Natürlich kann auch das Gegenteil der Fall sein: Sie sehen kein Licht am Ende des Tunnels?

Keine Sorge. Mit uns haben Sie einen Partner, der Sie mit seiner langjährigen Erfahrung unterstützt und Ihnen bei Fragen und Problemen hilft.

Denken Sie nicht, dass Sie uns nichts vorschlagen können.

Auch kleine Raten begleichen Ihre Schuld.

Rufen sie uns an………..“

Nun möchte man meinen, die haben ja wirklich Verständnis für meine Situation. Aber Inkassounternehmen haben nun mal nur ein Interesse,

  1. Die Forderung einzutreiben, und
  2. Geld zu verdienen

Sie sind eben keine karitativen Einrichtungen sondern Wirtschaftsunternehmen und die unterliegen nun einmal Gewinnerzielungsabsichten.

Eine Mandantin von mir erhielt genau diesen Brief (den ich hier nur abgeschrieben habe). Sie rief beim Absender (also dem Inkassodienst) an und schilderte ihr Problem, dass sie ja „zahlungswillig“ sei aber nicht „zahlungsfähig!“ Ob sie denn wenigstens, als Zeichen des guten Willens, monatlich einen kleinen Betrag zahlen könne (?), wollte die Sachbearbeiterin wissen. Das ging natürlich, also zahlte man monatlich 20 Euro. Nach gut drei Jahren fragte meine Mandantin nach, wie hoch denn noch die Forderung sei? Die Auskunft schockere sie, weil die Forderung noch nahezu genau so hoch war, wie drei Jahre zuvor. Ihre monatlich gezahlten 20 Euro wurden nämlich nach den Bestimmungen des § 367 Abs. 1 BGB  (zuerst die Kosten, dann die Zinsen und dann erst die Hauptforderung) verrechnet worden. Da die Hauptforderung aber immer noch weiterhin mit 5% über Basiszins verzinst wurde, wurde mit 20 Euro im Monat gar nichts erreicht. Lediglich das Inkassounternehmen profitiere davon.

Im nächsten, dem 3. Teil dieser Artikelserie, werde ich auf Mahnbescheid und Vollstreckungsbescheid eingehen und welche Bedeutung und Konsequenzen sie haben.

Wer  sofortige Hilfe benötigt,
kann über eMail Kontakt aufnehmen

und zwar
=> hier <=

Teil 1 |  Der Ordner


Teil 2 |  Mahnungen, Erinnerungen und Schriftwechsel

 

 

 

 

______________________________

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würde ich mich sehr darüber freuen, wenn Sie jetzt eine ★★★★★ Bewertung abgeben und ihn über die Schaltflächen hier unten in Ihren sozialen Netzwerke teilen . Vielen DANK!

VN:F [1.9.22_1171]
War der obige Artikel hilfreich ?
Rating: 5.0/5 (33 votes cast)
Alles über Schulden, Schuldnerberatung und Verbraucherinsolvenz (Teil 2), 5.0 out of 5 based on 33 ratings

2 Gedanken zu “Alles über Schulden, Schuldnerberatung und Verbraucherinsolvenz (Teil 2)

  1. VA:F [1.9.22_1171]
    Kommentarbewertung
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)

    Das Schreiben des Inkassobüros war schon sehr lieb geschrieben, hätte nicht gedacht, dass das eine falsche „Masche“ ist. Das zeigt mal wieder, um aus der Schuldenfalle raus zu kommen, hilft eben nur die Unterstützung eines Experten.

    • VN:F [1.9.22_1171]
      Kommentarbewertung
      Rating: 5.0/5 (1 vote cast)

      Ich kenne in Hamburg Inkassounternehmen, dort arbeiten

      400 Sachbearbeiter,
      ca 80 Juristen
      und täglich gehen mehr als 10.000 Schreiben raus

      Glaub es mir, da passiert nichts aus Nächstenliebe.

      Heinrich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.