Alles über Schulden, Schuldnerberatung und Verbraucherinsolvenz (Teil 1)

Schulden haben vielfältige Ursachen. Ein in der Schuldenregulierung erfahrenen Schuldnerberater kann sehr individuelle Hilfe bieten. Dabei ist ein Schuldenvergleich genauso ein Lösungsansatz wie die Verbraucherinsolvenz.


Viele Seiten im Internet beschäftigen sich mit dem Thema,
nicht in die Verschuldung zu kommen. Also präventiv Schulden zu vermeiden. Das ist eine gute Sache. Ich möchte mich allerdings an die Personen und Haushalte wenden, die in der Verschuldung stecken.

Gerne vergleiche ich das mit jemanden, der von einer Brücke ins Wasser gefallen ist und dessen Schwimmkünste eher gering sind. Er benötigt jetzt keine Anweisung, wie er hätte den Sturz vermeiden können. Ich finde, jetzt ist der Rettungsring angesagt oder ein Rettungsschwimmer springt hinterher um ihn vor dem Ertrinken zu retten.

Ich möchte in dieser Artikelserie über meine nahezu 10 jährige Erfahrung in der Schuldnerberatung berichten. Etwas schreiben über Mahn- und Vollstreckungsbescheide, Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse, Schreiben vom Inkassobüro und alles, was noch so auf einen Schuldner einwirkt.

Ich fange mal mit einem Beispiel aus meiner Beratungspraxis an. Der Fall ist schon einige Jahre her, aber ist symptomatisch:

Ursache: Trennung und anschließende Arbeitslosigkeit:

Mir gegenüber saß ein ratsuchender Schuldner und berichtete, alles sei mit dem Scheitern seiner Ehe angefangen. Anfangs nahm er sich ein möbliertes Zimmer, dann aber eine kleine Wohnung. Für das Kind leistete er Unterhalt, für seine in Trennung lebende Ehefrau nicht. Die neue Wohnung wurde mit Hilfe von eBay, Flohmärkten und einem überzogenen Konto eingerichtet. Es dauerte nicht lange und die Hausbank machte wegen des überzogenen Konto Stress. Daraufhin wurde schnell eine neue Bank gefunden die bereit war, das überzogene Konto auszugleichen. Man löste das alte Konto auf, er bekam einen Kredit um alles abzulösen und damit er weiterhin „beweglich“ ist, war das neue Konto KEIN Guthabenkonto sondern durfte erneut überzogen werden. Das tat er auch. Es dauerte nicht lange und der Geldautomat gab die Bankkarte nicht mehr frei. Im folgenden Gespräch hatte man aber viel Verständnis, wollte jedoch den Fehlbetrag dem bestehenden Kredit zuschlagen. Aus einem kleinen wurde natürlich ein gößerer Kredit. So wurde aus einem ehemals überzogenen Konto ein Gesamtkredit in Höhe von 35.000 Euro. Natürlich mussten Versicherungen abgeschossen werden dessen Gesamtraten gleich mitfinanziert wurden. Eine Altersversorgung in Form einer Renten-Versicherung wurde ebenso zu Unterschrift vorgelegt. Wie auch immer, überglücklich konnte jetzt die kleine Wohnung so eingerichtet, so dass auch mal das eigene Kind zum Wochenende kommen konnte.

Jetzt aber verlor mein Gesprächspartner seinen langjährigen Arbeitsplatz. Auf einmal war das Geld, das monatlich zur Verfügung stand, knapp. Weil die Stadtwerke dann nicht bezahlt wurden, drohten sie den Strom abzustellen. Also wurde Geld bei Freunden geliehen um die Stadtwerke zu bedienen. Der Mobilfunkvertrag wurde vom Telefonanbieter aufgrund Nichtzahlung gekündigt. Das Möbelhaus drohte den Wohnzimmerschrank abzuholen weil, der wurde auf Raten gekauft. Und in diesem Moment forderte die Anwältin seiner Ex Ehegattenunterhalt (die Beiden führten inzwischen einen regelrechten Rosenkrieg). Ein Teufelskreis!

Glück im Unglück, mein Mandant fand eine neue Arbeitsstelle. Aber Inkassobüros sind manchmal gnadenlos. Für eine titulierte Forderung wurde dem neuen Arbeitgeber ein Pfändungs- und Überweisungsbeschluss präsentiert. Zu deutsch, das Gehalt wurde gepfändet. Der neue Arbeitgeber warf ihn kurzerhand, noch in der Probezeit, raus.

Jetzt saß der gute Mann fix und fertig mir gegenüber. Den Briefkasten mochte er schon seit Tagen nicht mehr leeren. Die Eidesstattliche Versicherung hatte er schon vor Monaten abgegeben. Insgesamt legte mir mein Gesprächspartner Forderungen in Höhe von ca. 48.000 Euro vor.

Ein Fall, wie so viele und da ist es unerheblich ob Schuldner oder Schuldnerin. Die Fälle ähneln sich bis auf den Namen.

Eine der häufigsten Gründe, warum meine Ratsuchenden verschuldet sind, liegt tatsächlich in einer Trennung der ehelichen Gemeinschaft. Auch Arbeitslosigkeit und Krankheit führen sehr oft zur Zahlungsunfähigkeit. Ich habe kaum feststellen können, dass eine Ursache in einem Kaufrausch oder ein über seine Verhältnisse leben gewesen sei. Mit solchen Ansichten werden häufig Vorurteile bedient.

Wie kann ein Schuldner jetzt seinem Schuldnerberater zuarbeiten.

Auch wenn es schwer fällt, die Unterlagen müssen sortiert werden. Natürlich habe ich auch die berühmten ALDI Tüten mit ungeöffneten Briefen entgegen genommen. Auch das ist kein Problem! Aber ein bereits vorsortierter Ordner beschleunigt immer die Bearbeitung. Allerdings wenig hilfreich ist, wenn man für jeden Gläubiger einen Schnellhefter anlegt und dort den ganzen Schriftverkehr unterbringt. Das ist weder praktisch noch übersichtlich. Ich empfehle sich einen A4-Ordner zu kaufen sowie einen bereits gelochten Schreibblock. Vorteilhaft sind auch Trennstreifen. Wer noch etwas Geld übrig hat möge sich auch einen Locher kaufen. Vielleicht liegt aber auch irgendwo in der Wohnung einer und der Kauf erübrigt sich.

Jetzt wird für jeden Gläubiger eine Lasche (Trennstreifen) genommen, die Post dorthin sortiert (Achtung, ein Inkassobüro könnte für unterschiedliche Gläubiger zuständig sein – also Aktennummer vergleichen). Rechts auf die Lasche wird dann der jeweilige Gläubiger Geschrieben mit dem sog. Verfahrensbevollmächtigten (das kann das Inkassobüro oder ein Rechtsanwalt sein) z.B.
-Telekom | Seiler & Kollegen -.

Damit der Ordner übersichtlich ist und bleibt empfehle ich, auf einem Blatt Papier untereinander zu notieren, welche Gläubiger unter welcher Lasche und dahinter gleich welches Inkasso/Rechtsanwalt zuständig ist. Wer will kann dahinter gleich den ungefähren Forderungsbetrag schreiben.
Eine Vorlage ist hier als PDF hinterlegt Deckblatt Gläubigerordner

Wer allerdings sofortige Hilfe benötigt,
kann auch über eMail Kontakt aufnehmen und zwar
=> hier <=

Weiter zum Teil 2

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Im nächsten Teil dieser Artikelserie werde ich auf die Inhalte der in unserem Beispielordner liegenden Schreiben eingehen, welche Bedeutung und welche Konsequenzen sie haben.


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3 Gedanken zu “Alles über Schulden, Schuldnerberatung und Verbraucherinsolvenz (Teil 1)

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    Hallo Heinrich,
    du machst echt einen super Job mit deinem Wissen damit den Menschen in der Schuldenfalle geholfen wird. Ich werde dich und dein Tun mit all meinen Kräften unterstützen.
    LG Hanshans

  2. VA:F [1.9.22_1171]
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    Guten tag,
    Ich wollte nur mal danke für die wunderbare Hilfe sagen, die ich bei ihnen bekommen haben. Mir wurde besser geholfen als von anderen Schuldnerberater. Lg

  3. VA:F [1.9.22_1171]
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    Hallo,
    „Ich habe kaum feststellen können, dass eine Ursache in einem Kaufrausch oder ein über seine Verhältnisse leben gewesen sei.“
    Sehr gut! Genau das bestätigen auch immer wieder Untersuchungen. Leider wird dieser Tatsache nirgends wirklich Rechnung getragen. Und das ist leider ein typisch deutsches Problem.
    Beste Grüße,
    Thomas

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