Schuldenvergleich – Was bei einem Vergleich beachtet werden sollte

Wenn ein Schuldner nicht mehr weiter weis wie er seine Gläubiger bedienen soll ist der Wunsch nach einem Vergleich sehr groß. Was aber dabei beachtet werden sollte ist eher unbekannt.

Am Ende fragt keinerDie Reform des Insolvenzrechts sieht vor, dass einem in der Insolvenz befindlichem Schuldner die Restschuldbefreiung erteilt wird, wenn er innerhalb von drei Jahren 25% seiner Schulden an den Insolvenzverwalter bezahlt, zuzüglich der Verfahrenskosten des Insolvenzverfahrens. Da liegt es nahe, dem Gläubigern gleich diese Quote anzubieten und damit ein privates Insolvenzverfahren zu vermeiden. In der Praxis ist dies aber mit entsprechenden Hürden verbunden.

Betrachen wir einmal die Interessenslage des Gläubigers. Er möchte und ist vielfach auch darauf angewiesen, dass er seine Forderung in seiner Gesamtheit ausgeglichen bekommt. Das ist insbesondere dann aussichtsreich, wenn der Schuldner noch jung und davon auszugehen ist, dass er im Laufe seines zukünftigen Berufslebens die Schuld erwirtschaften kann. Bei einem kurz vor der Rente stehender Schuldner ist die Erwartung schon eher geringer.

Es mag im ersten Augenblick verwunderlich erscheinen, wenn in der Öffentlichkeit über Fälle berichtet wird, wo eine Millionenschuld mit Zahlung von 100.000 Euro verglichen, aber bei einem Schuldenbetrag von nur 600 Euro keine Einigung erzielt wird. Aber nicht selten ist sich der Gläubiger auch darüber im Klaren, dass die Millionenschuld möglicherweise niemals ausgeglichen werden kann. Bei einem Betrag von 600 Euro ist die Situation schon ganz anders. Das hat auch gelegentlich mit den zuständigen Gesprächspartnern zu tun. Wird bei einem „geringen“ Betrag die Verhandlung mit einem Sachbearbeiter geführt, so bieten sich bei sog. Millionenbeträgen gleich die zuständigen Vorstände oder Hauptabteilungsleiter an. Muss sich der Sachbearbeiter gegenüber seinem Vorgesetzten noch als knallharter Verhandlungspartner beweisen, so lässt sich ein Vorstand schon einmal dazu verleiten, Millionenbeträge als Peanuts zu bezeichnen.

Es gibt kein Patentrezept für die Vergleichsverhandlung mit Gläubigern, aber durchaus einige Dinge, die man beachten sollte.

  • Gehen Sie vorerst einmal davon aus, das kein Gläubiger sein Gesicht verlieren möchte. Seine Forderung ist ja i.d.R. berechtigt;
  • Zeigen Sie als Schuldner Ihrem Gläubiger auf, dass er nicht alleine mit seiner Forderung steht, sondern Sie auch bei anderen Stellen weitere Schulden haben und Sie gewillt sind, mit allen einen Vergleich zu erzielen. Schließlich will Ihr Gläubiger am Ende nicht alleine als der „Dumme“ angesehen werden;
  • Bieten Sie Ihrem Gläubiger als Anreiz eine Einmalzahlung an und ggf. in der Folge monatliche Raten. Eine Einmalzahlung zu Beginn eines Planes setzt Anreize, denn ob Sie dauerhaft Ihre Raten bedienen können und werden stellt er möglicherweise erst einmal in Frage;
  • Verzichten Sie auf Hinweise, wenn Ihre Gläubiger einem Vergleich nicht zustimmen, werden Sie das Verbraucherinsolvenzverfahren anstreben. Dieser Hinweis wird eher als Erpressung verstanden und ist in der Verhandlung kontraproduktiv. Machen Sie diesen Hinweis erst, wenn nach mehreren Gesprächen keine Einigung zu erzielen ist;
  • Überdenken Sie, ob es Ihnen überhaupt möglich ist dauerhaft Ihre Raten zu bedienen. Kommt es später nämlich zu Zahlungsschwierigkeiten, könnte die Vereinbarung vom Gläubiger aufgekündigt werden und die Gesamtforderung ist dann, unter Berücksichtigung des bereits gezahlten Betrages, erneut fällig;
  • Raten, die Sie anbieten sollten so bemessen sein, dass Sie von Ihrem verbleibenden Einkommen noch existieren können. Es ist keinem Beteiligten damit gedient, wenn Sie erneut Schulden machen müssen;
  • Nehmen sie keine erneuten Kredite auf um Ihre Schulden zu begleichen. Diese „Schuldenspirale“ ist häufig der Anfang einer totalen Verschuldung, aus der bisher kaum jemand raus gekommen ist. Schulden bekämpft man nicht mit Schulden;
  • Informieren Sie sich, welches Einkommen Ihnen unter Berücksichtigung der Pfändungsfreigrenzen noch verbleiben darf; 
  • Bestehen Sie bei einer Vereinbarung auf Festschreibung der Forderung, also den Verzicht auf weitere Verzinsung der Hauptforderung;
  • Bitten Sie Ihre Gläubiger, während der Verhandlungen, auf weitere Zwangsmaßnahmen zu verzichten, dazu gehört auch die Titulierung (Mahn- und Vollstreckungsbescheide);
  • Hat Ihr Gläubiger einen Verfahrensbevollmächtigten beauftragt (Inkasso, Rechtsanwalt), so führen Sie die Gespräche ausschließlich mit dem Bevollmächtigten;
  • Notieren Sie grundsätzlich alle telefonischen Gespräche und den Gesprächspartner. Nicht selten legen diese Gesprächspartner im Nachhinein das mündliche Gespräch ganz anders aus als Sie. Es macht zwar ein wenig Arbeit, aber bestätigen Sie ggf. schriftlich das Besprochene;
  • Akzeptieren Sie auf keinen Fall, dass eine weitere Person (Ehepartner oder so) für die Zahlung eine Verpflichtungserklärung abgibt. Sie sind Schuldner und nicht der Ehepartner. Das gilt auch, wenn Sie gefragt werden woher denn auf einmal der Einmalbetrag herkommt und erklären Sie, dies sei eine Sammlung im Familienkreis zu Ihren Gunsten um zu helfen;
  • Machen Sie sich einen Zeitplan, die Verhandlungen sollten drei Monate nicht überschreiten;
  • Kommt eine Einigung zustande, überschlafen Sie das Vereinbarte noch einmal und besprechen Sie das mit Ihren Lebenspartner oder innerhalb der Familie. Schulden sind unangenehm aber kein Weltuntergang. Die Familie muss bereit sein, Sie zu unterstützen und Verständnis haben, dass Sie die Situation meistern wollen: 
  • Verhandlungen mit Ihren Gläubigern dürfen Sie selber führen oder ein Ehrenberufler, wie z.B. Rechtsanwälte. Nicht selten sehen öffentliche Verbraucherberatungsstellen ihre Aufgabe lediglich darin, Sie für die Verbraucherinsolvenz vorzubereiten, die Sie ja durch Ihre Vergleichsverhandlungen vermeiden wollen.

kopf in den sandDie zuvor genannten Punkte sind sicherlich nicht vollständig aber durchaus geeignet, eine Vergleichsverhandlung erfolgreich zu versuchen. Bedenken Sie später, vermeintliche Sonderangebote in den Schaufenstern der Einkaufszentren sind zwar verlockend, aber das beste Angebot ist das, welches Sie nicht wahrnehmen.

Insofern wünsche ich Ihnen viel Erfolg.

Ihr
Heinrich Schreiber

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7 Gedanken zu “Schuldenvergleich – Was bei einem Vergleich beachtet werden sollte

  1. VA:F [1.9.22_1171]
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    Sehr geehrter Herr Schreiber
    es ist zwar immer interessant zu lesen, dass man doch einfach einen außergerichtlichen Schuldentilgungsplan mit Einmalzahlung und Quote anbieten „soll“, aber die Praxis zeigt eindeutig, dass dieses normalerweise NICHT funktioniert. So haben z.B. Finanzämter fast IMMER eine ablehnende Haltung für solche Angebote und treiben die Schuldner in die Privatinsolvenz – wobei auch die Finanzämter natürlich GARNICHTS bekommen, statt einer angebotenen Quote zu kassieren. Es wird also pauschal der „Spatz in der Hand“ abgelehnt obgleich man die „Taube auf dem Dach“ GARANTIERT NIE erreichen kann.
    Die neue „Schuldentilgungsgesetze“ in Deutschland, 25% Quote…blablabla, ist nichts, außer Augenwischerrei, da bereits führende InsolvenzRICHTER in Deutschland dieses Gesetz als VOLLKOMMENEN UNSINN titulierten, denn der „normale“ Schuldner – ~ 97%, können noch nicht einmal die Verfahrenskosten zahlen und beantragen Stundung.
    Es macht also gar keinen Sinn solch einen Schwachsinn in Gesetze zu „gießen“.

    Persönlich würd‘ ich jedem empfehlen, sofern er/sie die Möglichkeit hat, nach England überzusiedeln und dort einen Antrag auf Restschuldbefreiung zu stellen. Dauer max. 12 Monate. „Leider“ bin ich nicht überschuldet, sonst könnten wir uns bestimmt einmal in London treffen, da offenbar auch Sie – das entnehme ich Ihrer Adresse – einen Raum in einem Londoner Haus gemietet haben… um evtl. einen ähnlichen Weg einzuschlagen?!

    • VN:F [1.9.22_1171]
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      Danke für Ihren Kommentar der genau die richtigen Punkte anspricht.

      Es stimmt, das Finanzamt ist häufig der Knackpunkt, dennoch kann ich auf gute Ergebnisse gerade mit dem Finanzamt zurück blicken. Möglicherweise ist dies darin begründet, dass die betreuten Mandanten über eine etwas bessere finanzielle Situation verfügten als der „normale H4-Empfänger“, vielleicht war auch Glück im Spiel. Richtig ist aber, dass Finanzämter sich eher als Strafverfolgungsbehörden aufspielen, als um gute Vereinbarungen zu ringen.

      Ich bin absolut Ihrer Meinung, die Novellierung des Insolvenzrechts ist eine politische Frechheit. Die Zahlen hinsichtlich der Verfahrenskostenstundung sind mir bekannt. Noch schlimmer finde ich die Punkte des Gläubigerschutzes. Dies wird in der Praxis dazu führen, dass für noch mehr Verbindlichkeiten/Schulden in Zukunft keine Restschuldbefreiung mehr erteilt werden wird. Eine Mogelpackung per Excellence.

      Ja, London bzw England bietet bessere Möglichkeiten für den, der es einrichten kann und den richtigen Berater hat. Selbst gebastelte Konstruktionen haben nämlich häufig ein derartiges Engagement ins Leere laufen lassen, wie sich immer wieder zeigt.

  2. VA:F [1.9.22_1171]
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    Ein Vergleich ist oft eine gute Lösung für den Schuldner, aus dem gröbsten raus zu kommen. Ich kenne Familienmitglieder, die das gemacht haben und recht glücklich damit sind.

    LG,
    Ali Aufguss

  3. VA:F [1.9.22_1171]
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    Ich erlebe immer wieder, dass unter großen Mühen mit den Gläubigern ein Vergleich geschlossen wurde, der dann Monate oder Jahre später plötzlich aufgrund einer verschlechterten Einkommenssituation nicht mehr bedient werden kann. In der Regel wird dann der Vergleich durch die Gläubiger gekündigt und der Schuldner hat einen Haufen Zeit verloren.

    Hätte der Schuldner von Anfang an die Verbraucherinsolvenz beantragt, wäre es unschädlich gewesen, wenn das Einkommen des Schuldners sinkt, solange er seiner Arbeitspflicht in der Wohlverhaltensperiode nachkommt.

    Sinnvoller ist meiner Meinung nach ein Einmalzahlungsvergleich. Wenn dieser nicht möglich ist, sollte wirklich genau überlegt werden, ob nicht die Verbraucherinsolvenz die bessere Alternative ist.

    • VN:F [1.9.22_1171]
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      Genau das ist der Punkt. Ein Vergleich macht nur dann Sinn, wenn er auch über die Zeit der vereinbarten Raten, eingehalten werden kann. Niemand erhält eine Garantiekarte, ob nicht doch Krankheit oder Arbeitslosigkeit dem Ganzen irgendwann einen Strich durch die Rechnung macht. Dann nämlich beginnt der Ärger von vorne und u.U. ist nun doch der Weg in die Verbraucherinsolvenz notwendig. Vertane Zeit also!

      Einmalzahungsvergleich ist eine gute Möglichkeit, sofern darstellbar.
      In der Praxis eher zutreffend für den (ehemaligen) eigenverantwortlich Tätigen, also den Selbständigen.

      Dennoch, ein Vergleich ist machbar und mit etwas Stolz verweise ich auf (m)eine gut vier mal höhere Erfolgsquote bei außergerichtlichen Vergleichen, als der Durchschnitt der öffentlich geförderten Beratungsstellen. Zugegeben, vielleicht war bisher auch mein Klientel finanziell etwas besser ausgestattet, als bei denen. Letztlich gibt es aber viele Schuldner die zwar aus ihrer Situation raus wollen, aber eben nicht in die VI. Denen bleibt nur der Weg einen praktikablen Vergleich zu schließen. Idealerweise mit professioneller Hilfe.

      Heinrich Schreiber

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